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Fahrräder

2015 war es so weit. Nach dem das Haus soweit in Form gebracht war habe ich mein Fahrrad von seinem Unterschlupf bei den Schwiegereltern abgeholt. Keine Luftpumpe weit und breit, also kurz zur örtlichen Tankstelle geschoben. Ich bin mir im Nachhinein nicht mehr sicher ob die Luft schneller im Reifen war oder eben diesen wieder verlassen hatte. Wer hätte denn auch ahnen können, dass nach ein paar Tagen Jahren Standzeit der Schlauch mehr aus Einzelteilen als aus einem Stück besteht. Gut dann eben das edle Fahrrad nach Hause schieben, 5km. Wobei so edel war es zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr. In der sechsten oder siebten Klasse habe ich es bekommen. Ein GT Outpost Trail, gekauft bei dem Fahrradhändler Stadelmaier in Gaildorf. Beraten von einem Mitarbeiter mit dem Spitznamen Eggi.
Geld in die Hand nehmen um das Fahrrad wieder fit zu bekommen oder ein Neues kaufen? Die Überlegung ging nicht lang. Da die Entwicklung bei den Fahrrädern nicht stehen geblieben ist, fährt man inzwischen gefühlt 10 Zoll größere Räder. Sogar Federgabeln sind inzwischen erschwinglich. Das waren sie damals nicht, es sei denn man hat zu einem Fahrrad aus dem OBI gegriffen. Den gibt es in Schwäbisch Hall inzwischen nicht mehr. Ein Schicksal, dass der Stadelmaier in Gaildorf teilt. Sofern ich mich richtig erinnere, folgte nach dem Fahrradladen eine Sportsbar und eine Fahrschule. Beides sollte zumindest an dem Standort nicht Bestand haben. Dafür hatte der Verkäufer von damals weiterhin Bestand. Zuerst an einem anderen Standort, kehrte er wieder zu seinen Wurzeln zurück. Etwas weit hergeholt, Eggi solltest du das lesen und nicht einmal die Hälfte stimmen, korrigiere mich. 😉 Jedoch in selbstständiger Form, Eggis Bike Planet war seit einiger Zeit an dieser Adresse zu finden.
Aber nicht so schnell. Bevor mich die Intelligenz überkam, flimmerte das E-Bike von Smart vor meinen Augen.

„Ein Fahrrad von einem Auto-Hersteller?“ war eine der Fragen im Umfeld. Mir gefiel die Optik und auch der Rest überzeugte den ahnungslosen Fahrradfahrer. Gebraucht und gesehen wie gekauft. Ich kaufe gern, nicht weil es notwendig ist oder immer Sinn macht, einfach aus der Freude am Kaufen. Erst kaufen, dann fragen oder bereuen. Und Hölle, so war es mit dem Fahrrad. Es fährt sich wie ein Sack Nüsse. Mit seinen drei Gängen ist es „Überland“ wirklich die Pest. Entweder man findet sich mit einer lahmen Reisegeschwindigkeit ab oder man tritt in einer Frequenz, die einen ins Grab bringt. Die Federgabel, ups ohne Feder, ist derart starr, es muss sich jemand aktiv darum bemüht haben. Ameisengroße Steine fühlen sich an als würde ich mit meinem GT eine Rampe herunterspringen, wohlgemerkt ohne Luft in den Reifen. Übertrieben? Selbstverständlich.
Samstag, 18. April 2015, Bahnhofstraße 15, 74405 Gaildorf – Besuch, Beratung Probefahrt und Kauf.
Das Smart noch in der Garage, lasse ich mich von Eggi beraten. Wir stecken meine Anforderungen ab, vorwiegend sollte das Fahrrad ein Fahrrad sein. Ein E-Bike kommt ehrlich gesagt nicht in Frage, die Preise die dafür im Neuzustand aufgerufen werden bin ich nicht bereit zu bezahlen. Meine Entscheidung fällt auf das Bergamont Revox LTD Alloy.


Was will man mit einem Fahrrad, wenn es doch Autos gibt? Mit dem Alter und dem Nichtstun wird man nicht fitter. Zudem war vor einigen Jahren die Empfehlung von den Ärzten um die Schrauben im Knie geschmeidig zu halten, Radfahren und Radfahren. Wer weiß wie sonst irgendwann die Räder angeordnet sind, wenn die Knie sich völlig verabschiedet haben. Also schnell noch Schutzbleche und Beleuchtung auf die Ladentheke, damit ich fortan immer, wenn die Ausreden bezüglich des Wetters fehlen, damit ins Büro fahre.
Wir schreiben inzwischen das Jahr 2017, den ein oder anderen Kilometer hat das Bergamont erlebt. Die Fahrten ins Büro jedoch halten sich in nicht messbaren Grenzen. Ein „Berg“ auf dem Weg ins Büro ist zu viel für mich. Es kommt nicht so weit, dass ich ihn zu Fuß erklimmen muss. Das Rad kommt mit mir oder ich mit ihm, da sind wir uns nicht einig, hoch. Allerdings nicht so, dass ich bürofrisch in der Firma ankomme. Die Fahrten beschränken sich daher auf die Freizeit oder auf Wochenendeinsätze in der Firma, aber auch nur, wenn das Wetter keine Chance für eine Ausrede hergibt. Was macht der Habicht also? Richtig, er besucht den Eggi und erkundigt sich nach einem E-Bike. Der erste Besuch verleitet mich zu zwei Dingen, das Internet für einen Preisvergleich und der Frage „muss das sein?“. Schließlich war der Wunsch nach einem neuen Objektiv auch noch da. Das Objektiv außer Acht gelassen, bringt der Preisvergleich neue Erkenntnisse. Das Fahrrad gibt es auch im Netz nicht günstiger.
Ohnehin unterstütze ich gern den lokalen Einzelhandel. Wer versüßt einem den Stadtbummel mit einem dekorierten Schaufenster, bezahlt seine Steuern vor Ort, ist Arbeitgeber für Menschen aus der Region und vielleicht sogar Nachbar? Richtig, in den seltensten Fällen der Onlinehändler aus Osaka.
Meine Menschenliebe  hin oder her, ab einem gewissen Betrag findet auch diese ein Ende. Ich bin so dreist und drucke die günstigeren Angebote von anderen Rädern aus. Ich hege die Hoffnung ich kann Eggi meine Gedanken ausreichend beschreiben, bevor er mich aus dem Laden jagt. Mein Wunsch, er kann mir sagen wieso das vermeintlich günstigere Angebot nicht dem Hercules Rob Cross Sport gewachsen ist werden erfüllt. Schnell kann er begründen wieso diese nicht dem von ihm angebotenen Rad konkurrieren können. Ungeachtet dessen würde ich mich schwertun, mit meinem Internet-Schnäppchen bei ihm für eine Reparatur aufzutauchen. Diese Hemmschwelle teilen nicht alle, dass ist mir bewusst.
Nach dem wir uns über das Fahrrad, den Einzelhandel im Städtchen, Onlinehändler und sonstige Sachen gefühlte drei Stunden unterhalten haben, verabschieden wir uns mit einem Handschlag und der Zusage, dass mein neues Fahrrad am Folgetag abholbereit auf mich wartet. Auch mein überfälliges Bergamont kommt nicht zu kurz. Ich kann es auf Kommission bei ihm abgeben.
Während er noch mal kurz die Schaltung überprüft und anpasst schaue ich mich im Laden um und finde noch ein paar Handschuhe. Bei den Handschuhen frage ich nicht ob ich diese denn noch günstiger bekommen könnte. Ich habe auch nicht bei dem Fahrrad danach gefragt. Wieso? Wenn ich gut beraten werde und der Preis meiner Meinung nach nicht übermäßig hoch ist, in diesem Fall unter dem UVP und dem Onlinepreis, sehe ich dafür keine Notwendigkeit.
Nach ein paar Tagen und knapp 100km bin ich an jedem Berg vom Kauf überzeugt. Gestern habe ich mich auf das Bergamont geschwungen, noch habe ich es nicht abgegeben. Meine Frau bekam das Hercules. Ihre Fahrradkarriere ist keine erfolgreiche. Der Spaß mit mir zu fahren war seither nicht existent und beschränkte sich daher auf wenige Ausflüge. Der letzte endete mit der Aussage „mit dir fahre ich nie wieder“. Die Konstellation ich ohne E-Bike, Sie mit, zauberte ihr nach wenigen Metern ein Grinsen ins Gesicht, nicht wie sonst Schweiß auf die Stirn. Die Zukunft wird also zeigen ob wir noch ein E-Bike kaufen oder ich einfach weiterhin, wenn wir zusammen Radfahren, an Bergen nach Luft japse.

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