Allgemein

Es weihnachtet sehr…

Weihnachten steht im Kalender so fest wie der Jahreswechsel. Die Rahmenbedingungen haben einen gewissen Spielraum. Häufig hegt man die Hoffnung auf eine weiße Weihnacht. Zumindest bei den 329m über Normalhöhennull, die hier in der Gegend herrschen, gibt es im besten Fall ein wenig Schnee vor und nach Weihnachten. Während ich diese Zeilen tippe regnet es. Wenn ich unter dem Stichwort „Weihnachtsstimmung“ in meinem Kopf nachschlage, dann male ich mir eine Welt aus, wie in einer klassischen Coca-Cola TV Werbung aus den 90ern. Und Stirb Langsam, Weihnachten ohne Stirb Langsam geht doch nicht, oder?
Zwei Wochen vor Weihnachten Urlaub, gut das geht aus der Werbung so nicht hervor. Die Straßenränder sind von weißem Schnee gesäumt. Die Abenddämmerung ist so weit angebrochen, dass es noch hell ist, die Weihnachtsbeleuchtung erstrahlt in vollem Glanz. Menschen schlendern entspannt und freudig durch die Fußgängerzonen und werfen den ein oder anderen Blick in schön dekorierte Schaufenster.
Meiner Erinnerung nach gab es in meinem Leben noch kein Jahr, dass der Vorstellung entsprochen hätte. Das Bilderbuchszenario hinter dem Stichwort scheint sich also wirklich nur aus der Werbung generiert zu haben. Ich möchte mich darüber aber nicht beschweren, so stelle ich es mir einfach vor. Seit Jahren habe ich immerhin das Privileg am 24.Dezember nicht arbeiten zu müssen. Je nach Arbeitsplatz ist eben an diesen Tagen rund um Weihnachten die nervenaufreibendste Zeit im Jahr.
Dass die Realität nicht so ganz meiner Traumwelt entspricht konnte ich im Kleinen erleben, als ich diese Woche vor der Autowaschanlage gewartet habe. Trotz dem milden Wetter wurde notwendigerweise ab und an die Straße gestreut. Das Bild vor den Waschanlagen gleicht zu der Zeit dem im Sommer.
Ein Auto verlässt die Waschanlage, das Nächste steht bereit und fährt in die Waschzelle. Als der Fahrer die Waschanlage starten möchte springt ein weiterer Wagenbesitzer herbei und erklärt ihm recht lautstark, dass er sich hier nicht einfach vordrängeln könne. Aus der Vogelperspektive kann ich sagen, hat er nicht. Das Wortgefecht geht los, während dessen wird die Anlage gestartet. Unfreundlichkeiten werden ausgetauscht. Der Herr, der zuvor sein Auto aus der Anlage gefahren hat und noch auf dem Gelände ist, eilt herbei. Er versucht zu beruhigen und sachlich seine Sicht mitzuteilen. Er wendet sich wieder ab, wird aber zwei weitere Male das Wort ergreifen. Wir sind in einem Dorf, ich kenne zwei der drei Teilnehmer, zumindest vom Sehen. Möchte mich in dem Fall nicht auch noch dazustellen um mitzudiskutieren. Es ist kalt und zu viele Köche machen nur Sauerei. Widme mich also erst einmal wieder Frank Sinatra, der aus den Lautsprechern vermittelt, alles ist gut. Wachsamer werde ich wieder als einer der Herren, tatsächlich seine Brille absetzt. Ich drehe Frank die Stimme ab, um dem Wortgefecht wieder zu folgen und denke mir, es darf nicht wahr sein. Beide Herren, die das vierzigste Lebensjahr um wenigstens zehn bis vermutlich 20 Jahre überschritten haben, streiten sich darüber, wer als nächstes in die Waschanlage hätte fahren dürfen. Wobei der Herr, der jetzt keine Brille mehr aufhat, sich mehr darüber aufregt in welchem Tonfall er auf den Fehler, der nicht seiner war, hingewiesen wurde. Ich muss sagen die Beiden passen absolut nicht in meine „zwei Wochen vor Weihnachten Blase“. Um einen zeitlichen Eindruck zu vermitteln, das Reinigungsprogramm hat inzwischen sein Ende gefunden. Die Brille wird wieder aufgesetzt. Man findet eine Einigung, es ist ja bald Weihnachten, da muss man sich ja nicht so sehr streiten. Welche, tja was soll ich schreiben, Einsicht? Dafür brauche ich kein Weihnachten, aber mir soll es in dem Fall nur recht sein. Man stelle sich vor, ich müsste aus dem Auto springen um die Kontrahenten darauf hinzuweisen, dass ich jetzt in die Waschanlage möchte! Zumal ich sowieso nicht der Nächste bin. In dieser Hackordnung stehe ich ganz unten. Der Herr der sich im Unrecht sah, aber tatsächlich nur Unrecht hatte, ist an der Reihe. Er fährt sein Auto neben meines. Die Waschanlage ist frei und er macht keine Anstalten reinzufahren. Als ich in freudiger Erwartung was denn jetzt folgt zu ihm blicke, winkt er mir zu, ich möge doch in die Waschanlage fahren. Da ich mit ihm jetzt nicht auch noch darüber diskutieren möchte, dass er doch an der Reihe sei, mache ich es wie er es möchte und fahre in die Waschanlage.
Das Scheinwerferlicht wird von der Dunkelheit geschluckt, kein strahlend weißer Schnee am Straßenrand, aber hey ich wurde an der Waschanlage vorgelassen!

Ich wünsche euch eine schöne Weihnachtszeit mit dem Fokus auf die kleinen, schönen Dinge oder mit einem entspannten Blick auf die Themen, die einen dazu animieren sich aufzuregen. Wer möchte kann das natürlich auch anders handhaben.

Weihnachten

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.